Sonntag, 19. August 2012

Vier minus drei - Barbara Pachl-Eberhart

Verlag: Heyne Verlag
Taschenbuch: 352 Seiten
 ISBN: 978-3453702035
Preis: 8,99 Euro
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Inhalt:
20. März 2008. Der Tag, an dem Barbara Pachl-Eberhart ihren Mann Heli, ihren Sohn Thimo und ihre Tochter Fini das letzte Mal lebend sieht. Der Tag, an dem sich ihr Leben schlagartig ändert.
Der 20. März 2008.-Gründonnerstag, als der Clownbus auf einem unbeschrankten Bahnübergang von einem Zug erfasst wird.

In diesem Buch verarbeitet die Hinterbliebene ihr Erlebtes, ihre Eindrücke, ihren Umgang mit dem Verlust geliebter Menschen.

Meinung:
Ehrlich gesagt bin ich wirklich geplättet, wie diese Frau es geschafft hat, ihr Erlebtes so wunderbar darzustellen. Wunderbar? Klingt das nicht komisch, ja so makaber im direkten Kontext zu diesem tragischen Unfall, der ihr Leben aus den Fugen gerissen hat. Im ersten Moment würde ich sagen JA! Aber hat man dieses Buch gelesen, wird schnell klar, was ich damit meine.

Normalerweise lasse ich die Finger von "Berichten", aber "vier minus drei" hat mich schon längere Zeit angesprochen, und da ich die Vorkommnisse auch damals in der Presse verfolgt habe, bzw. man unweigerlich damit konfrontiert wurde, war mein Interesse an dieser Geschichte geweckt. Schon damals fand ich die Vorkommnisse sehr ergreifend, aber auch nur bruchstückhaft und finde es nun spannend, das Erlebte der Frau Pachl-Eberhart in Form ihrer persönlichen Geschichte zu sehen.

Schon jetzt finde ich es schwierig, die richtigen Worte zu finden, weil dieses Buch so viel anders ist, als die, die ich sonst lese. Wie bewertet man eine "wahre Geschichte", die auf solchen schicksalhaften Säulen steht?
Man kann hier ja schlecht sagen, dass einem die Geschichte zu weit hergeholt ist, die Charaktere allesamt flach und oberflächlich wirken. Das ist alles wirklich passiert.
Als aller erstes möchte ich aussprechen, wie mutig ich es finde, dass sich Frau Barbara Pachl-Eberhart dazu entschlossen hat, dieses Buch zu schreiben und zu veröffentlichen.
Jeder Mensch geht unterschiedlich mit seiner Trauer um, von daher finde ich es nur fair, zu respektieren, wie jemand das macht, auch wenn man selber davon wenig begeistert ist.

Dieses Buch schildert die schicksalhaften Tage einer Frau, die ihrer Familie auf einen Schlag verloren hat.
Ich war wirklich fasziniert davon, wie diese Frau, mit ihrem Verlust umgegangen ist. Ich war umgehauen, berührt, entsetzt und einfach überwältigt, wie diese Frau wieder ins Leben zurückgefunden hat.
Dadurch, dass Frau Pachl-Eberhart die Geschichte selber schildert, fühlt man sich ungemein mit ihr verbunden. Ich war echt erstaunt, wie deutlich man ihrer Emotionen selber durchlebt hat.
Wie sie mit dem Tod geliebter Menschen umgegangen ist, finde ich besonders interessant. Sie selbst spürt ihre Familie noch ganz deutlich und ist davon überzeugt, dass sie als Engel im Himmel weiterleben. Das es ihnen gut geht und sie sich irgendwann wiedertreffen.
Die Hinterbliebene durchlebt die typischen Stadien der Trauer, aber wie ich finde irgendwie anders, als man sich dass vorstellt. Schon allein die "Trauerfeier" wurde in meinen Augen so wunderschön gestaltet, dass ich einfach geplättet war.
Das sie ihren Beruf als Clown danach noch ausführen konnte, spricht für die Stärke dieser Frau.
Würde ich dieses Buch sogar als Ratgeber an Menschen aussprechen, die Ähnliches erlebt haben?
Jein! Vielen wird es vielleicht ähnlich gehen, wie in dieses Buch, doch geht jeder Mensch immer unterschiedlich mit der Trauer um. Daher würde ich mir schon vorher überlegen, ob dieses Buch dann nicht sogar abschreckt und verunsichert. Es gibt halt keine Anleitung, wie man sich verhalten muss. Wann tritt welche Phase ein usw.

Insgesamt kann ich nur sagen, dass ich wahrhaft gefesselt war von diesem Bericht. Ich finde es erstaunlich mutig, wie diese Frau ihren Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat, wie diese Geschichte ihren Weg gefunden hat. Durch diesen, wie ich finde wahnsinnig tollen Schreibstil, berührt dieses Werk ungemein seine Leser.
Die Verbundenheit mit dieser Frau ist außerordentlich stark und treibt so manches Tränchen in die Augenwinkel.

Fazit: 5/5 möglichen Punkten. Mutig, ausdruckstark, emotional! Vielleicht (k)ein Ratgeber, aber ein Buch, das gibt!



Kommentare:

  1. Wow eine wundervolle, aussagekräftige Rezi! Habe das Buch gleich auf meine WuLi gepackt :)

    lg <3

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  2. ...schöne und vor allem dem Thema angemessene Rezension...ich bin mir nicht sicher, ob ich es auch irgendwann mal lesen werde, aber das Buch hat dich scheinbar voll mitgenommen...

    LG

    Kay

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  3. Muss ich mir merken, die nächste Amazon Bestellung wird kommen:D
    Du wurdest übriegends zum Thema "Gedichte" getaggt: http://annaslostworld.blogspot.de/2012/08/award-tag-und-wintermutze-d.html

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  4. Eine richtig gute Rezenion, aber ob das ein Buch für mich ist muss ich mir auch noch überlegen *-* ansonsten...gut geschildert wie das Buch so ist! :)

    LG Kersi

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  5. Hallo Jan,

    gerade letztens habe ich erst wieder einen Bericht zu dem Schicksal von Frau Pachl-Eberhart gelesen und bin immer am überlegen, ob ich ihren Bericht auch lesen möchte aber ich glaube, ich könnte es nicht. Deine Rezension finde ich sehr gut gelungen und gleichzeitig bekräftigt sie mich im Moment auch darin, das Buch nicht zu lesen.

    LG

    Jana

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lauft mir nach ...