Freitag, 7. September 2012

Linna singt - Bettina Belitz

Verlag: Script5
Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
ISBN: 978-3839001394
Preis: 18,95 Euro
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Inhalt:
Linna kann immer noch nicht ganz fassen, dass sie hier ist. Auf einer einsamen Hütte in den Bergen, zusammen mit ihren ehemaligen Bandkollegen. Simon, Jules, Maggie und Falk. Seit 5 Jahren gibt es "Linna singt" jetzt schon nicht mehr und nun soll noch einmal ein Konzert stattfinden und die Hütte dient als Probeort. Abgeschieden, ruhig, einsam.
Doch die Atmosphäre ist von Beginn an gespannt. Fragen aus der Vergangenheit treiben an die Oberfläche und Linna gerät in den Mittelpunkt der Konfrontationen und Verdächtigungen. Warum hat sie damals alles hingeschmissen?
Dieses Psychospiel spitzt sich immer mehr zu, bis es am Ende richtig gefährlich wird.
Die einziege Möglichkeit dem Spiel ein Ende zu setzten ist die Wahrheit, der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.

Meinung:
Meiner Meinung nach gehört "Linna singt" in die Kategorie der anspruchsvollen Jugendbüchern, die dementsprechend auch Anklang bei erwachsenen/älteren Lesern finden kann.

Die Geschichte des Buches bekommen wir ausschließlich aus der Sicht der Protagonistin Linna gezeigt.
Der Schreibstil der Autorin passt sehr gut und harmoniert perfekt mit der Thematik des Buches. Ohne groß aufzufallen oder ausgeschmückt zu werden, passt dieser Stil wunderbar und ergänzt sich super mit dem Rest.

Wie bereits erwähnt, empfinde ich dieses Werk etwas anspruchsvoller, als die Jugendliteratur, die ich für gewöhnlich lese, was aber auf keinen Fall negativ zu deuten ist. Im Gegenteil, denn zur Abwechslung musste man sich hier einmal richtig in die Thematik reinknien, um überhaupt eine Verbindung aufbauen zu können. Das bedeutet aber auch, eben ein paar Seiten für zwischendurch sind nicht drin. Man sollte sich wirklich Zeit und Ruhe geben, um die Geschichte aufnehmen und dann auch genießen zu können.
Die Charaktere, die Frau Belitz in "Linna singt" geschaffen hat, sind alle glaubhaft und wahnsinnig authentisch aufgebaut. Blasse, farblose Personen tauchen hier nicht auf, denn jeder bekommt seine eigene Geschichte, seinen eigenen kleinen Anteil. Dadurch war es überhaupt kein Problem, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Gefühle, Gedanken und Empfindungen können dadurch viel leichter selber empfangen und verarbeitet werden. Sprich, man kann sich gut in die jeweilige Person hineinversetzen.

Linna als Hauptcharakter, erscheint wahnsinnig selbstbewusst, arrogant und als toughe Frau, die sich von keinem etwas sagen lässt. Das zeigt sie auch deutlich. Unnahbar und abgekapselt wirkt sie.
Daher ist Linna auch eine Person, die ich einfach nicht gerne leiden mag, obwohl ich eigentlich überhaupt nichts gegen arrogante Personen habe. Leute, die gut aussehen, viel Geld besitzen, haben es schließlich schon stückweit verdient so zu wirken. Aber ich hatte gleich das Gefühl, dass Linna nicht die ist, für die sie sich ausgibt. Es gab so viel Situationen in der Hütte, bei denen ich mich einfach nur gewundert habe, dass Linna nicht gleich reiß aus nimmt und alles hinschmeißt, wie vor 5 Jahren.
Doch im Laufe der Geschichte lässt Linna immer mehr ihre Fassade fallen, sie verliert fasst komplett ihre kratzbürstige Art und so hat sie mir schon viel besser gefallen.
Bald jeder, oder besser gesagt alle hüten Geheimnisse, die Stück für Stück ans Tageslicht rücken. Dadurch wirkt die Geschichte komplex und sehr echt.
Gefühle spielen in "Linna singt" natürlich eine große Rolle. Ob Hass, Freude, Angst, Misstrauen, Liebe und Wut. Es ist so ziemlich alles vertreten und bieten ein breites Spektrum an Emotionen.
Das Psychospiel, das sich mehr und mehr zuspitzt, ist glaubhaft dargestellt und lässt einen manchmal erstarren. Es tauchen immer mehr Fragen auf, die unglaublich neugierig auf die Antworten machen. 
Es darf ruhig gesagt werden, dass am Ende alles geklärt wird und man kann das Buch mit gutem Gewissen zuklappen.

Die Thematik, mit der sich dieses Buch befasst, ist aktuell und sehr Eindringlich. Ich finde es sehr interessant, wie sich durch Missverständnisse, Vermutungen und Beschuldigungen, eine Gruppe auf engstem Raum, verändert und sich dementsprechend verhält. Außerdem sehe ich den Titel "Linna singt" eher bedeutungsgleich für "sich befreien", "ausbrechen", "sich freireden", denn genau das tut Linna im Verlauf des Buches. Sie befreit sich ein Stück weit von ihrer Vergangenheit. Von ihrer Mutter, die sie schlecht behandelt hat und einem Ereignis kurz vor dem Auseinanderbrechen der Band, aber zuviel möchte ich nicht verraten.
Eigentlich lässt der Titel ja darauf vermuten, dass sich der Hauptteil des Buches von/über Musik handelt. Ist aber nur grenzwertig so. Trotzdem finde ich es sehr schön, wie die Autorin einzelne Momente regelrecht mit Musik untermalt. Es tauchen Titel auf, die man sehr gut kennt und augenblicklich hat man die Melodie im Ohr, die einen durch die jeweiligen Passagen begleitet. Sehr liebevoll und detailliert. Hat mir sehr gefallen!
Fazit:
Ich vergebe an dieser Stelle 4/5 möglichen Punkten und empfehle es an jene weiter, die gerne mal anspruchsvollere Lektüren lesen und auf eine interessante, mitreißende Geschichte hoffen. 
"Linna singt" biete eine Story, mit glaubhaften, tiefgründigen Charakteren, eine manchmal doch erschreckende Atmosphäre und die Erkenntnis, dass die Macht der Wahrheit doch stärker und befreiender ist, als man manchmal denkt.




Kommentare:

  1. Richtig schön geschrieben! Aber du kennst ja meine Meinung ;-)

    Glg
    Steffi

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  2. Wow, tolle Rezension! Ich hab das Buch auf meinem SuB und freu mich total darauf.

    LG
    Monika

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  3. Geht mir genau wie Monika - ich bin schon total gespannt! :)
    Tolle Rezi! :D

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lauft mir nach ...