Donnerstag, 20. Dezember 2012

Der Märchenerzähler - Antonia Michaelis



Verlag: Oetinger
Gebundene Ausgabe: 446 Seiten
ISBN: 978-3789142895
Preis: 16,95 Euro
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Inhalt


Abel ist der Außenseiter der Schule. Er gehört nirgendwo richtig hin. Er kommt zu spät zum Unterricht, oder schwänzt ganz. Er ist ein Dealer, ein Verschlossener, ein Einsamer. Doch die 17 jährige Anna lernt auch eine andere Seite von ihm kennen. In diese Seite verliebt sie sich. Sie ist einfühlsam, mitfühlend, aber auch geheimnisvoll.
Abel hat eine kleine Schwester. Er kümmert sich um Micha, seit die Mutter verschwunden ist. Doch damit tauchen auch Probleme auf. Das Sozialamt steht immer öfters vor der Tür und will mit der Mutter reden, die nie da ist.
Abel ist verzweifelt und Anna scheint langsam hinter die Fassade zu blicken, die Abel für alle aufgebaut hat....

Meinung

Der Einstieg in das Buch ist eigentlich typisch "Thriller". Irgendetwas spannendes passiert gleich am Anfang. In dem kurzen Prolog bleibt natürlich alles unter Verschluss, macht aber unglaublich neugierig auf die fortlaufende Geschichte!

Etwas, dass mir direkt ins Auge gesprungen ist: Der Schreibstil. Von der ersten Seite an war mir klar, dass ich mich hier wohlfühle. Wunderschöne Sätze, die oft schon Überlänge aufweisen und sicherlich nicht jedermanns Geschmack sind. Ich werde mich daran nie satt lesen und kann dadurch wunderbar in die Geschichte eintauchen.
Der tolle Prolog und der "perfekte" Stil machen einen leichten Einstieg also unvermeidlich!

"Märchenerzähler, dachte sie, wohin segelt das Schiff, auf dem wir stehen? Wohin führt das Märchen? Wer ist auf dem schwarzen Schiff? Wird es noch mehr Blut geben, das in die Ritzen zwischen diesen Deckplanken fließt?" S.185

Und wen lernen wir da zuerst kennen? Die liebe Anna.
"Lieb" passt schon sehr gut, denn Anna ist alles andere als besonders auffällig. Sie ist eine gute Schülerin, hat Freunde und ist kein Kind der Traurigkeit. Eigentlich! Denn in ihrer Gedankenwelt sieht es ganz anders aus. Sowieso hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass jeder Person eine gewisse Traurigkeit angehaftet ist.
Auch Anna macht da keine Ausnahme. Dazu kommt die trostlose Zeit des Winters. Zusammen ergibt das eine wenig freudig, fröhliche Grundstimmung, die "Der Märchenerzähler" versprüht. Besser hätte die Stimmung nicht eingefangen werden können.
Abel war direkt abgegrenzt, durch die Erzählungen der Anderen. Es gibt Gerüchte und es wird gemunkelt. Aber Anna scheint das nicht abzuschrecken. Sie ist regelrecht fasziniert von diesem Jungen.

Abel selbst bekommen wir nur von "Außen" zu Gesicht. Er wirkt abweisend und kalt und erst im Zusammenspiel mit Anna scheint er aufzutauen. Zeigt eine andere Seite. 
Doch die Beziehung, die hier aufgebaut wird, erlebt immer wieder Rückschläge, die oft wirklich groß und erschüttern sind.
Aber die beiden scheinen sich immer wieder aufzuraffen. Für mich, als Leser, auch manchmal schwierig, Annas Beweggründe nachzuvollziehen. Aber man steckt ja eben nicht in ihr und kann nur vermuten.

Der Aufbau der Charaktere ist tatsächlich sehr glaubhaft und "echt" umgesetzt. Weder die Hauptfiguren noch die Randpersonen wirken fehl am Platz oder unnötig. Vermeintlich kleine Rollen können sich später als "Überraschung" auftun und sind dann wirklich überraschend.

Die eigentliche Thematik, die das Buch aufwirft, wird Stück für Stück im Verlauf der Geschichte deutlich. Mit vielen Dingen hat man nicht gerechnet und war dementsprechend erstaunt und perplex, wie hart man mit der Handlung zusammenstößt. Es handelt sich hier natürlich um einen Thriller und was darf dann nicht fehlen? Spannung! In dem Fall werden Morde begangen. Im Prolog wird man ja direkt auf einen Schauplatz geworfen und es soll gesagt sein, es werden noch mehr Leichen auftauchen. Gleich am Anfang hatte ich eine Vorstellung, wie die Geschichte ungefähr enden würde. Tja, da hatte ich mich wohl verschätzt. Zwischenzeitlich hatte man die besagte Person dann wieder im Visier, aber nicht dauerhaft und es gab immer Kandidaten, die mehr verdächtig waren.

Ein ganz besonderer Aspekt dieses Buches ist das Märchen. Der "Märchenerzähler" ist im dem Fall Abel. Er hat damit begonnen, eine Geschichte für seine kleine Schwester zu erfinden und als Anna dazu stößt, wird sie mit auf Reisen genommen.
Das Märchen wird wunderbar erzählt und die darin vorkommenden Gestalten, sind alle aus der Wirklichkeit entnommen. Außerdem lässt Abel sehr viel durch die Erzählungen "hindurchsickern". Sachen, die er im realen Leben nie laut ausgesprochen hätte. 

Das Ende ist: Überraschend, traurig und gleichzeitig schön. Ein würdiger Abschluss. Auch das Märchen findet seine letzten Worte und hinterher bleiben nur die eigenen Gedanken zurück, die sich fragen, wie "krass" die Welt doch sein kann.

Fazit

Aufgrund des Schreibstils und der drückenden, traurigen Stimmung, ist das Buch sicherlich nicht für jedermann geeignet. Wer jedoch auf eine wirklich tolle, bedrückende, überraschende Geschichte hofft, der ist mit "Der Märchenerzähler" sehr gut bedient. Ich war restlos begeistert und spreche eine Leseempfehlung aus!! 5/5 möglichen Punkten

Kommentare:

  1. Wow! das Buch klingt wirklich toll...ich bin zwar kein Thriller-Fan, aber durch deine Rezi hast du mich echt überzeugt! Vorallem die Stimmung und die Beziehung der Protagonisten machen mich sehr neugierig und ich werde es definitiv lesen, Danke für die tolle Rezi :)<3

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  2. ...ich schleiche ja schon ne Weile um das Buch rum...Du bringst mich mit deiner Rezension auf jeden Fall näher zum Lesen von "Der Märchenerzähler"! Superschöne Rezension!

    LG

    Kay

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  3. Danke Shan und Danke Kay.
    Ich glaube dir würde es wirklich gefallen Kay! :)
    ....aber auch Shan würde es denke ich überzeugen :)
    LG

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  4. ...viel braucht es nicht mehr, um mich zu überzeugen...;-)

    LG

    Kay

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  5. Ich liebe "Der Märchenerzähler". Es ist wirklich sehr emotional (vor allem am Ende :/) und geht sehr unter die Haut - bleibt damit aber auch sehr lange im Gedächtnis! ♥(:

    Deine Rezi zeigt, dass ich wenigstens nicht die Einzige bin, die mit diesem Buch ein einmaliges Gänsehaut-Feeling hatte *-*

    Alles Liebe,
    Caro

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  6. Hey Jan,
    treffender hätte ich es nicht schreiben können. Habe das Buch erst vor ca. 4 Wochen gelesen u. war froh, dass ich Lesebegleitung hatte (eine Bücherfreundin hat zeitgleich gelesen u. wir konnten uns immer austauschen). Ich war mittendrin u. vor allem am Ende doch emotional sehr erschüttert. Aber wie du sagtest, ein wunderschönes Buch!! Sehr außergewöhnlich u. volle Punktzahl zurecht!!
    LG,
    Damaris

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  7. Lange Sätze? Nein
    Bedrückend? Nein

    Also ich will es nicht :-D

    Steffi

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  8. Ich hab´s auch schon auf meiner WuLi und deine Rezi bestärkt mich definitiv in meinem Wunsch, es zu besitzen =). Ich bin auch nicht so der Thriller Fan, aber solange die Mischung passt, wie es beim Märchenerzähler der Fall zu sein scheint, wird es mir bestimmt auch gefallen.

    LG, Ally

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  9. Hi,
    vielen Dank für die tolle Rezi. Das klingt wirklich ganz nach meinem Geschmack :)
    LG
    Juju

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  10. Huhu,

    habe das Buch auch gerade durch und auch schon eine Rezi geschrieben. Es ist wirklich Toll, einfach unbeschreiblich...

    Jessi
    http://jessireneleseratten.blogspot.de/

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  11. Tolle Rezi - und wieder ein Buch mehr auf meiner Wunschliste. ;)
    Glückwunsche übrigens zu "Der Mann, der den Regen träumt". Bin gespannt, wie Dir das Buch gefällt.

    LG

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  12. Es ist immer wieder toll zu lesen, wenn Menschen von diesem Buch genau so begeistert sind wie ich. Du hast es wundervoll in Worte gepackt, was genau dieses Buch ausmacht. Ich glaube, wir haben einen ähnlichen Geschmack, ich muss wohl Deine Empfehlungen mal noch intensiver unter die Lupe nehmen, da finde ich bestimmt noch das ein oder andere für mich (als hätte ich nicht schon genug auf dem SUB ;-) ).

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lauft mir nach ...