Freitag, 10. Mai 2013

Solange die Nachtigall singt - Antonia Michaelis [Rezension]


Bildquelle
Verlag: Oetinger
Gebundene Ausgabe: 447 Seiten
ISBN: 978-3789142932
Preis: 16,95 Euro
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Als Javi beschließt für einige Wochen in den Bergen wandern zu gehen und sich eine Auszeit zu gönnen, ahnt er noch nicht, dass diese Reise sein Leben komplett verändern wird...

Zu Beginn seines Marsches trifft er auf die junge Jascha. Dieses Mädchen übt eine starke Faszination auf ihn aus. Er begleitet sie in ihr Reich - den tiefen Wäldern. Hier lebt das Mädchen in einem abgeschiedenen Häuschen. Bald schon merkt Javi, dass der Wald und Jascha eine ungeheure Kraft auf ihn ausüben, die ihn langsam verändert. Diese Veränderungen machen ihn gefährlich - für sich und für andere...





Ich habe "Der Märchenerzähler" gelesen und mich gleich in Frau Michaelis Stil verliebt. "Solange die Nachtigall singt" musste daher nicht lange warten, bis es in mein Regal ziehen konnte und ich bin froh, dass ich es endlich gelesen habe.

Ich bin immer noch ganz gefangen von dieser Geschichte und weiß gar nicht so recht, wie ich meine überschwängliche Meinung gebührend ins Licht rücken kann. Aber eins weiß ich ganz genau - gefangen zu sein in fantastischen Sätzen, poetischen Wirbeln aus Worten und einer mehr als märchenhaften Story kann kaum besser in Szene gesetzt werden, wie in diesem Buch.

Der Schreibstil ist: Poetisch, ausladend, bilderreich, verwirrend, bedeutungsschwanger, ausdrucksvoll, gespickt mit VIELEM und sagt oft so wenig und doch immer genug. Ich war gefesselt, jeder Satz scheint eine tiefere Bedeutung zu haben. Die Autorin weiß, wie man mit Worten umgehen muss, um diese stark wirken zu lassen.

Des einen Freud ist des anderen Leid. So wird der "besondere" Stil nicht jedermanns Geschmack treffen. Ist das dann leider der Fall, so hat das Buch eigentlich schon verloren, denn die Handlung LEBT durch diesen Stil. Ich persönlich liebe Bücher, in denen viel hineininterpretiert werden kann/soll/muss und bei denen eine tiefere Bedeutung versteckt zwischen den Zeilen liegt, bei denen man sich seitenlang fragt, wie etwas gemeint ist und am Ende doch alles anders ist. Ein Buch, das Verwirrung stiftet und dem man doch nicht böse dafür ist.

Durch diesen oft ausladenden Stil steckt die Handlung eingelullt in den Sätzen. Im Klartext: Ein Buch für zwischendurch ist die Nachtigall sicherlich nicht. Man muss sich ganz auf die Geschichte einlassen und wirklich konzentriert lesen, um der Handlung folgen zu können. Diese konnte mich wirklich in allen Bereichen fesseln. Das Buch hat oftmals schon einen leicht schaurig, gruseligen Touch, was der Kulisse zuzuschreiben ist - der Wald als Schauplatz, macht die Handlung erst so geheimnisvoll, so mystisch. Das Heulen der Wölfe, das Rascheln der Blätter, das Knacken der Äste und plötzlich aufkommender Nebel, der alles zu verschlucken droht.

Aber um noch einmal auf die Handlung zurückzukommen. Die Geschichte um Jascha konnte mich wirklich packen und es ist echt schwer, nicht zu viel zu verraten. Rückblicke in Jaschas Vergangenheit, lassen die Handlung immer Stück für Stück aufleben und bringen diese dadurch weiter. Die Veränderungen, die Javi mit der Zeit im Wald durchmacht werden zunehmend erschreckender und zum Ende hin regelrecht grausam.

Dennoch finde ich dieses Ende SEHR gelungen und die Handlung "entwirrt" sich in so ziemlich allen Bereichen und die Lichter der Erleuchtung springen an. 





Frau Michaelis trifft auch mit "Solange die Nachtigall singt" zu hundert Prozent meinen Geschmack. Ihr Stil, ihr Geschick mit Worten umzugehen, ist atemberaubend und wunderschön, wird aber nicht jedermanns Geschmack sein und man sollte sich vorher im Klaren sein, worauf man sich einlässt. Der Schreibstil ist sehr ausladend und bildlich und "lullt" die Handlung in starke, ausdrucksvolle Sätze. Dadurch ist ein Lesen für zwischendurch kaum möglich. Wer sich aber auf die Geschichte einlässt, erfährt eine märchenhafte, oft auch schaurig, gruselige Atmosphäre, die die Handlung zu etwas Besonderem macht. Ich kann gar nicht anderes, als die volle Punktzahl zu vergeben. 5/5 möglichen Punkten!


Kommentare:

  1. Du bist ja wirklich komplett begeistert von der Nachtigall, ich freu mich echt, dass dir das Buch so gefallen hat.

    Das spiegelt sich auch so richtig schön in deiner Rezi wieder, die absolut wundervoll geschrieben ist.

    Ich glaube für mich ist das Buch aber eher nichts, aber man kann ja auch nicht alles lesen ;)

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  2. Eine wunderschöne Rezension! :)
    Antonia Michaelis Schreibstil finde ich auch super. Das Buch steht schon auf der Wunschliste! :)

    Liebe Grüße, Anna :)

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  3. Danke ihr beiden! :)
    Mann muss wirklich absolut Fan des Stils sein, damit man sich "im Buch" wohlfühlen kann! :)
    LG Jan

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  4. Ich war auch total begeistert von "Der Märchenerzähler". Besonders von dem schrecklichen Ende.
    Deine Rezi klingt sehr verlockend das Buch zu lesen... das muss ich unbedingt noch einmal machen.:D

    LG
    Lynn

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  5. Hallo :)
    ich hab dich getaggt, viellicht hast du ja Lust mitzumachen.

    Liebe Grüße
    http://meeintagebuch.blogspot.de/

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  6. Hey ich habe dich getaggt! :)

    http://supaersliestbuecher.blogspot.de/2013/05/aktiondas-erste-mal-getaggt.html

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  7. Lynn, wenn dir der Märchenerzähler gefallen hat, dann probier es ruhig mal mit der Nachtigall! :)

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  8. Schöne Rezi! Ich bin schon ganz gespannt auf das Buch, wird sicher eines der nächsten sein, die ich mir kaufe. :)

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  9. ok .. ich glaube ich muss es dringend lesen .. ich hab mich nach dem Märchenerzähler irgendwie nicht mehr getraut, weil ich ihn so großartig fand :)

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  10. Wow, also wüsste ich nicht aus erster und zuverlässiger Quelle, dass dieses Buch wohl nichts für mich ist, hätte ich es nach dieser Rezension definitiv gelesen. Eigentlich bin ich ja ein Fan von "poetischen-bildhaften-bedeutungsschwangeren" Schreibstilen...Ich werde mich erstmal vom Märchenerzähler berieseln lassen:)
    Wunderschön geschrieben!!! <3

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lauft mir nach ...