Mittwoch, 19. Juni 2013

Liberty Bell - Das Mädchen aus den Wäldern - Johanna Rosen [Rezension]

Bildquelle
Verlag: Arena
Gebundene Ausgabe: 375 Seiten
ISBN: 978-3401068046
Preis: 15,99 Euro
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Als Ernesto das Mädchen zum ersten Mal sieht, ist er sowohl erschrocken, als auch fasziniert - wer ist diese "Wilde", die abgelegen in einer Hütte haust, so ganz allein, mitten im tiefen Wald? Mehr und mehr kann er ihr Vertrauen gewinnen, bis Liberty Bell eines Tages aus ihrer Welt entrissen wird! 

Gefangen in der Zivilisation ist für Liberty alles neu und fremd und sie fühlt sich allein - nur bei Ernesto geht es ihr anders, geht es ihr besser. Auch er kann sich dem Mädchen nicht mehr entziehen und Stück für Stück gelingt es ihm, Libertys Herkunft zu entschlüsseln, die jedoch aus wirren Geheimnissen zu bestehen scheint, von dem eines ganz besonders dunkel ist...




Der Titel und das Cover haben mich gleich angesprochen und auch der Klappentext war genau nach meinem Geschmack. Also habe ich mit freudigen Erwartungen begonnen, die Seiten zu erklimmen, musste aber schon sehr früh feststellen, dass alles so gar nicht nach meinem Geschmack abläuft!

Was hatte ich erwartet? Worauf hatte ich mich gefreut? Erst einmal den Wald, als Kulisse der Geschichte. Der Titel lässt ja unschwer darauf vermuten, doch leider hat sich der Großteil der Geschichte überhaupt nicht auf der "naturellen" Seite abgespielt. Viel mehr war dieser Ort immer nur eine "Zwischenstation", die zu Beginn angefahren und gelegentlich im Verlauf der Handlung aufgesucht wird. Sehr schade, denn ich hatte mich auf ein besonderes Walderlebnis gefreut.

Viel Zeit lässt uns die Autorin dagegen mit der Clique von Ernesto verbringen. Wie es scheint, ein wild gewürfelter Haufen von Jungs, an die ich mich alle schon gar nicht mehr erinnern kann, was zum Teil auch an den sehr sehr komischen Namen liegt. Zum anderen, weil die Charaktere kaum ausgearbeitet sind und man so gut wie überhaupt nichts von ihnen erfährt. Ich könnte auf Anhieb keinen beschreiben und wüsste nur, dass einer einen Hund besitzt, der drei Beine hat. Mit nur mäßig ausgearbeiteten Nebencharakteren könnte ich aber noch gut leben, wenn die Hauptfiguren mich wenigstens überzeugt hätten - aber auch hier Fehlanzeige! 

Liberty Bell ist so gar nicht das Mädchen, das ich mir vor dem Start vorgestellt hatte. Irgendwie platt und leer und ihre Reaktionen, wie zum Beispiel auf die ihr fremde Welt (Zivilisation), sind schon mehr als verwunderlich und in den seltensten Fällen nachvollziehbar. Zudem passieren einige Dinge, in Bezug auf Liberty, die in meinen Augen einfach zu unvorstellbar und unlogisch sind. Von Ernesto bekommen wir da schon mehr zu sehen. Sein zerrüttetes Familienleben erhält mehr Klang und dadurch erscheint uns der Junge nicht mehr so farblos und wirkt realer. 

Aber auch das hilft nicht darüber hinweg, dass die "Liebesbeziehung", die sich im Laufe der Geschichte zwischen den beiden entwickelt, absolut unscheinbar, emotionslos und in einigen Handlungssträngen schon wieder unglaubwürdig wirkt. Liberty hat zu viel kaputt gemacht - leider!

Darüber hinaus lässt sich das Buch aber gut und flott lesen und auch die humorvolle Ader der Jungs, brachte mich das ein oder andere Mal zum Lachen.

Wirklich überrascht haben mich die letzten einhundertfünfzig Seiten. Mensch, warum konnte das gesamte Buch nicht so toll sein? Hier war wirklich fast alles da. Überraschende Wendungen, Spannung bis zum Abwinken - ich konnte gar nicht anders, als mich gebannt auf die Seiten zu konzentrieren!   

Der letzte Abschnitt lässt stark darauf vermuten, dass eine Fortsetzung möglich wäre. Aber würde ich da zugreifen? Ich glaube eher nicht!



So wunderschön das Buch auch aussieht, "Liberty Bell" konnte mich den Großteil der Geschichte kaum überzeugen. Besonders die unausgearbeiteten Charaktere - allen voran die Protagonistin Liberty Bell, haben vieles kaputt gemacht. Einige Handlungsstränge kamen schon sehr unglaubwürdig und unlogisch daher und haben mein Lesevergnügen zusätzlich gemindert. Nichtsdestotrotz lässt sich der Roman gut und flott lesen und Begeisterung ist in den letzten einhundertfünfzig Seiten dann doch noch aufgekommen. Hier hat mich die Handlung mit überraschenden Wendungen und spannenden Momenten bezirzen können.


5/10 
Punkten

Kommentare:

  1. Schöne Rezension. :)
    Aber schade, dass es dir nicht so gut gefallen hat. Ist aber sehr gut nachvollziehbar, warum nicht.
    Werde es wohl als Wanderbuch bekommen, bin schon gespannt, ob es mir besser gefällt. ;)
    Mich haben aber auch das Cover und die Inhaltsangabe sehr angesprochen. :)

    Liebe Grüße,
    Jessica

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  2. Genau das hat mich ja auch so angesprochen, Jessi! :)
    Ich hoffe dich kann es mehr begeistern! :D
    LG Jan

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  3. Hallo Jan,

    Hm, hm mal jemand dem es nicht so toll gefällt.Gut!
    Zur Zeit läuft auch dazu eine Blogtour.

    Hast Du eine neue Bewertungsrichtline für die Rezis eingeführt? Stimmt es?

    LG..karin..

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  4. Hallo Karin!
    Ja genau, ich hatte mal Lust auf eine Veränderung! :-)

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  5. Wirklich schade...Außen hui - innen eher pfui! Ich spielte ja auch schon mit dem Gedanken das Buch zu kaufen, aber wenn nur die letzten 150 Seiten wirklich gut sind...Nö.
    Wundervoll beschrieben, wie immer, mon Hühnerbrühe <3

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  6. Mhm...es sieht aber so schön aus. :/
    Eine emotionslose Liebesgeschichte ist aber echt ganz schön blöd. Dann noch eine nicht authentische Protagonistin...mhm...aber es sieht doch so schön aus. xD
    Es hat ja auch noch 150 gute Seiten und vor allem, es sieht einfach so schön aus. ;D

    Deine Rezi ist wie immer genial <3 Deine Kritikpunkte hast du total gut und plausibel beschrieben...suuupeeer! :D Du hast's echt druff! xD

    LG Becca :)

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  7. Gut, ich kann ein Buch von meiner WL streichen (die wird aufatmen);). Aber die Punkte, die du negativ kritisiert hast, würden auf jeden Fall auch mich stören (besonders in Bezug auf die Charakterisierung) und somit wäre ich mit Sicherheit vom Buch enttäuscht.
    Herzlichen Dank für die ausführliche Rezension und weiterhin viel Spaß beim Lesen! LG Iris

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lauft mir nach ...