Montag, 9. September 2013

In einem Boot - Charlotte Rogan [Rezension]

Bildquelle
Verlag: Script5
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
ISBN: 978-3839001509
Originaltitel: The Lifeboat
Preis: 18,95 Euro
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Als die Zarin Alexandria durch eine Explosion erschüttert wird und kurz darauf sinkt, kann sich Grace durch die Hilfe ihres Mannes einen Platz in einem der Rettungsboote sichern. Henry bleibt jedoch zurück und Grace ist sich nicht sicher, ob er sich vielleicht in ein anderes Boot retten konnte. Das Grauen des Schiffsunglücks noch vor Augen, sind sich die Überlebenden aber sicher, dass Rettung nicht lange auf sich warten lassen wird - als die Tage aber dahinziehen und die Stimmung unter den Insassen immer tiefer sinkt, das Essen immer knapper und das Wetter immer unberechenbarer wird, liegt die Wahrscheinlichkeit des Todes auf offener See sehr hoch. Der Tod im Rücken kann Menschen in grauenvolle Bestien verwandeln - auch Grace muss das feststellen ...


Aufmerksam geworden auf dieses Buch bin ich allein durch das wunderschöne Cover. Es passt natürlich wie die Faust aufs Auge und bringt die Stimmung durch die harmonischen Blautöne perfekt rüber. Zudem ist der Titel schlicht und einfach und ich mag solche Titel. Stellt euch mal vor der Name würde "Das Rettungsboot", oder so ähnlich lauten! Nein, hier wurde wirklich alles richtig gemacht!

Der Einstieg in die Geschichte war aber nicht ganz so einfach wie erhofft. Nachdem uns der Prolog schon ein wenig zeigt, wie es Grace "nach" der Zeit auf dem Boot geht und ergeht, steigen wir auch direkt ins Geschehen ein, bzw. wir betreten direkt das Rettunsboot. Der Untergang der Zarin Alexandria wird gänzlich von der "sicheren" Seite (im Boot) geschildert. Die Dramatik ist zwar spürbar, aber nicht vergleichbar damit, als wenn wir Grace beim Augenblick der Explosion, oder was auch immer das Schiff zum Sinken gebracht hat, dabei gewesen wären. Im Verlauf der Geschichte gibt es dann immer Mal wieder Rückblicke und Erinnerungsfetzen der überlebenden Passagiere, die trotzdem kurze Einblicke in die letzten Minuten des Schiffes zeigen.

Was ich mir vor dem Lesen ausgemalt hatte, war eine kleine dramatische Geschichte, die sich auf einem kleinen Holzboot inmitten des großen Ozeans abspielt. Die Dimension des Bootes war aber weitaus imposanter, als ich vermutet hatte. Letztendlich waren knapp 40 Leute auf dem Rettungsschiffchen untergebracht und so hatte ich mir das ganz und gar nicht vorgestellt! Wie soll sich denn jetzt das Gefühl von Klaustrophobie auf dem beengten Boot entfalten und auf den Leser reflektieren, wenn ausreichend Platz vorhanden ist? Schwierig für mich zu Beginn. Zudem werden uns einige der Überlebende bekannt gemacht, die uns die Autorin fast nur mit Nachnamen vorstellt. Viele Mr. und viele Mrs. bleiben dabei leider nicht direkt hängen und es brauchte eine Weile, damit sich herauskristallisieren konnte, wer denn jetzt wichtig für die Handlung ist.

Ist diese Hürde aber einmal erklommen, hat mich "In einem Boot" schnell in seinen Sog gezogen. Die Dinge, die passieren, werden im Laufe der Zeit immer dramatischer, unmenschlicher und Schock-Momente zieren die einnehmende Geschichte. Durch Grace werden wir Zeuge und können hautnah miterleben, wie das Zurechtkommen in dieser neuen und außergewöhnlichen Situation abläuft. Dabei macht Grace, wie viele andere Überlebende, eine extreme Wandlung durch. Anfangs noch optimistisch gestimmt, dass bald Rettung kommt, ist das Gefühl von Fürsorge und Zusammenhalt zu spüren. Je mehr Zeit aber vergeht, desto bedrückender wird die Atmosphäre. Entscheidungen müssen getroffen werden, die nicht immer leicht fallen und immer unmenschlicher werden. Es wird mit Menschenleben gehandelt. Sollen sich die stärkeren opfern, damit die Schwachen eine Chance haben, oder gleich die Schwachen beseitigen, damit die Starken der Starken überleben?

Grace ist der Fokus der Geschichte - aus ihrer Sicht bekommen wir alle Ereignisse geschildert. Für ihr junges Alter ist sie aber sehr reif und "gesittet", was ganz einfach an der Zeit liegt, in der die Geschichte spielt. Dies bekommen wir auch häufig in ihren Gedankengängen und Erinnerungen zu spüren. Oft musste ich mir vorstellen, wie es sein würde, mit ihr den Platz auf dem Boot zu tauschen. Horrorvorstellung! Würde ich mich auch so verändern? Würde ich vieles auch so hinnehmen, um mein Überleben eventuell zu sichern?

Nachdem das Geschehen auf dem Boot vorüber ist, springt die Handlung wieder dort hin, wo der Prolog schon hingezeigt hat - vor Gericht. Grace und einige andere werden nämlich angeklagt. Ja, richtig - ANGEKLAGT. Warum und weshalb will ich jetzt gar nicht weiter ausführen, aber mich hat die Entwicklung schon sehr gereizt und habe gespannt mitverfolgt, wie die Sache für Grace ausgeht. Das Ende empfand ich dann aber doch als etwas ernüchternd und nicht ganz nach meinem Geschmack - zumindest in einer Sache.

Der Stil der Autorin lässt sich schön lesen und es ist klar erkennbar, dass die Geschichte eher an ältere Leser adressiert ist.



"In einem Boot" konnte mich überzeugen, auch wenn ich ein wenig Zeit zum Eingewöhnen brauchte. Danach kann sich der Sog der Geschichte vollends entfalten und ich habe die bedrückende Atmosphäre auf dem Rettungsboot mehr als deutlich gespürt. Durch Grace werden wir Zeuge einer dramatischen Situation, die sich von Tag zu Tag immer mehr zuspitzt und in unmenschlichen Taten ausartet - die dennoch glaubhaft dargestellt werden.

Ich vergebe

7/10
Punkten


Kommentare:

  1. Das Cover ist wirklich absolut genial, allein deshalb hätte ich es gern. xD
    Aaaaber die Handlung, die du beschreibst und gerade die Kritikpunkte klingen so, als wäre das eher nicht mein Ding. Schon der Inhalt klingt nicht so, als wäre es etwas für mich. :/

    Du hast deine Kritik aber toll zum Ausdruck gebracht...super geschrieben! <3

    LG Becca

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  2. Danke, Becca! :) Ich glaube das ist wieder so ein Jan-Buch. Da ich deinen Geschmack so einigermaßen kenne, würde ich sagen, für dich ist es nicht unbedingt etwas^^
    Danke für deinen Kommentar! :)
    LG Jan

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  3. Ich hab jetzt mal ne total doofe Frage, aber ist das eine Art Thriller? Ich konnte das Buch nie wirklich einem Genre zuordnen O.o Ansonsten klingt deine Rezension echt nicht schlecht. Die Kritikpunkte verleiten mich aber trotzdem nicht sofort zum Kauf, aber irgendwie bin ich jetzt neugierig und behalte das mal im Hinterkopf ^^ und ich finde das Cover auch ziemlich cool :D

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  4. Uff, die Handlung ist nicht wirklich leichte Kost. Interessieren würde mich das schon, aber ich glaube auch, dass man leicht geschockt sein kann durch das, was dort abgeht... Mal sehen, ob ich mich an das Buch wage.

    Liebe Grüße,
    Fräncis

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  5. Tanja, wenn ich das wüsste o.O Also ich würde es nicht als Thriller bezeichnen. Bleiben wir einfach bei "Roman" xD

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  6. Das mit der Gerichtsverhandlung macht in der Tat neugierig, aber der Rest bestärkt mich eher in meinem Bauchgefühl, dass es nicht so ganz das Wahre für mich ist. Danke für die ausführliche Rezi <3

    Küsschen
    Steffi

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  7. Danke für die Rezension, ich bin jetzt echt neugierig geworden und überlege ob ich mir das Buch kaufen soll.
    Lg
    Daniela

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  8. Das ist auch in der Tat kein schlechter Einfall gewesen, aber wie sich die Sache entwickelt ist dann leider nicht mehr so gut :( Die Zeit auf dem Boot war viel besser ;)
    Schön, dass ich dich neugierig machen konnte, Daniela! :)
    LG Jan

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  9. Sehr tolle und ausführliche Rezension, ich kann mir perfekt vorstellen, was mich beim Lesen erwarten würde, ohne dass du aber zu viel verrätst.

    Das Cover ist wirklich traumhaft schön, das Buch ist aber denke ich auch nichts für mich.

    Kussi <3

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  10. Für mich war das leider nichts, ich bin ein zu großes Weichei. Ich fands stellenweise echt heftig

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lauft mir nach ...