Freitag, 16. Juni 2017

The Girl Before - JP Delaney | Rezension


Nach einem Schicksalsschlag braucht Jane dringend einen Neuanfang. Daher überlegt sie nicht lange, als sie die Möglichkeit bekommt, in ein hochmodernes Haus in einem schicken Londoner Viertel einzuziehen. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie dann auch noch den charismatischen Besitzer und Architekten des Hauses kennenlernt. Er scheint sich zu ihr hingezogen zu fühlen. Doch bald erfährt Jane, dass ihre Vormieterin im Haus verstarb – und ihr erschreckend ähnlich sah. Als sie versucht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, erlebt sie unwissentlich das Gleiche wie die Frau vor ihr: Sie lebt und liebt wie sie. Sie vertraut den gleichen Menschen. Und sie nähert sich der gleichen Gefahr.

Broschierte Ausgabe: 400 Seiten | Preis: 13,00 Euro

Erster Satz: Es sei eine reizende kleine Wohnung, verkündet der Makler in einem Tonfall, der beinahe als echte Begeisterung durchgehen könnte.

Meinung:
Dem Hype um The Girl Before konnte ich nicht widerstehen. Auf einmal war das Buch da und wirklich überall zu sehen. Ich muss aber auch gestehen, dass mich der Klappentext direkt angesprochen hat und aus irgendeinem Grund hat mich das ganze Konzept gefühlsmäßig an Girl on the Train von Paula Hawkins erinnert.

Leider musste ich schnell feststellen, dass Delaneys Werk einfach ganz und gar nicht nach meinem Geschmack ist. Der Autor hat einen leicht zu lesenden Stil, der mich wirklich rasch und schnell durch die Seiten hat fliegen lassen und war ich anfangs noch neugierig, wohin mich die Handlung führen würde, so hat sich nach ein paar Kapiteln manifestiert, dass ich vor allem mit der Charakterzeichnung meine Probleme hatte. Sehr schade, weil ich die Idee mit dem Haus und auch die Erzählebene (Vergangenheit und Gegenwart) als äußerst gelungen empfand.

Blende ich das aber erst einmal alles aus und lasse den Spannungsbogen der Geschichte Revue passieren, dann ist The Girl Before allerhöchstens mittelmäßige Unterhaltung. Es gab ein paar Momente, die ich als gelungen empfand, den Großteil der Handlung war ich aber wenig überrascht und hatte schnell eine Ahnung, wohin der Autor den Leser führt. Da erwarte ich von einem Thriller mehr und ich bin wirklich kein Experte in dem Genre.

Aber kommen wir zu meinem Hauptproblem zurück. Man kann ja immer sagen, dass in dieser Art von Büchern nur der Spannungsbogen zählt und ich kann dann auch schon mal verzeihen, wenn die Charaktere farblos und blass sind, solange mich ein Thriller gut unterhält. Bei The Girl Before war ich aber dermaßen von den Charakteren negativ überrascht. Der Autor führt in ihrer Geschichte ein Beziehungsbild zwischen Mann und Frau auf, das ich einfach nicht mehr lesen will. Hier wird die Frau vom Mann dominiert, gelenkt, manipuliert und ihr macht es nichts aus. Ihr gefällt es, sie findet es sexy, wenn ein attraktiver Mann so schlecht mit ihr umgeht. Ich habe Shades of Grey nie gelesen, bin aber gut informiert, wie dort die Beziehung abgelaufen ist und hier empfand ich es als ähnlich.
"Danach, als ich wegdämmere, höre ich ihn murmeln: Du gehörst jetzt mir, Emma. Das weißt du doch? Mir. Mhm, murmel ich schläfrig. Dir"
Thematisiert wird das Ganze natürlich nicht und einfach so hingenommen und das stört mich immer so maßlos. Ich weiß, dieses Buch soll wahrscheinlich einfach nur unterhalten, aber solche Gegebenheiten dann immer als "normal" zu deklarieren ist meines Erachtens einfach nur schlecht.

Wie bereits schon erwähnt, habe ich ziemlich schnell gemerkt, in welche Richtung die Geschichte geht, daher war ich vom Ausgang nicht allzu überrascht und gefesselt. Ehrlich gesagt war ich am Ende sogar froh, dass ich das Buch zuklappen konnte.  

Fazit: 
The Girl Before lockt mit einer ansprechenden Idee, verliert sich dann spannungstechnisch schnell in der Mittelmäßigkeit. Schlimmer dagegen empfand ich die Aufführung der Beziehung(en) in der Geschichte, ohne kritische Thematisierung. Wer einen spannenden und guten Thriller sucht, ist hier meiner Meinung nach an der falschen Adresse.


Ich vergebe

3/10
Punkten

Kommentare:

  1. Hi Jan, soviel ich weiß, verbirgt sich hinter dem Pseudonym JP Delaney keine Frau, sondern ein Mann. Oder vertue ich mich? Deiner Kritik kann ich mich ansonsten anschließen. Ein eher mittelmäßiges und spannungsarmes Buch.
    LG

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    1. Hallo Lex,

      Vielen Dank, da war ich wohl falsch informiert und habe das in meiner Rezension geändert. :)

      LG Jan

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  2. Autsch, 3/10 Punkten tut echt weh, das motiviert mich jetzt nicht unbedingt, das Buch endlich von meinem SUB zu holen :D

    Ich hatte das Buch damals schon im Original gekauft weil es da schon so gehypt wurde, aber von den Bloggern meines Vertrauens habe ich bisher noch keine wirklich begeisterte Rezension gelesen, vielleicht hätte ich da mal lieber noch etwas mit dem Kauf warten sollen :D

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lauft mir nach ...