Dienstag, 26. September 2017

Eisvogelsommer - Jan De Leeuw | Rezension


Der letzte Sommer war der schönste: Der Sommer, in dem Thomas Orphee kennenlernt, seine wilde, schöne Orphee, seine erste, einzige, große Liebe. Eine Liebe so absolut und überwältigend, wie nur die erste Liebe es sein kann. Aber dann kommt Thomas bei einem Unfall um und Orphee bleibt allein zurück. Doch solange Orphee, seine Eltern und auch sein Großvater sich nicht von ihm verabschieden können, solange bleibt Thomas unter ihnen - unsichtbar, aber nicht weniger präsent denn als Lebender. Thomas erzählt aus dem Off seine Geschichte, die untrennbar mit den Geschichten seines Großvaters, seiner Eltern und seiner Liebe Orphee verbunden ist. Und verwebt all diese Lebensgeschichten zu einer einzigen Erzählung voller Poesie und großer Kraft. Einer Erzählung, die die eine große Frage stellt: Was bleibt von der Liebe im Angesicht des Todes? Quelle

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten | Preis: 16,95 Euro 

Erster Satz: Können tote Augen sehen?

Meinung:
Im Zentrum von "Eisvogelsommer" steht der sechzehnjährige Thomas, der bei einem Autounfall gestorben ist. Aus seiner Perspektive (sein Geist weilt immer noch unter den Sterblichen) berichtet er davon, wie die Hinterbliebenen mit seinem Verlust umgehen. Seine Erzählweise ist mir dabei direkt ins Auge gesprungen. Thomas wollte nämlich immer Schriftsteller werden und das er dazu Talent gehabt hätte, merkt man als Leser sofort, weil er wunderbar mit Worten umgehen kann. Das Lob kann ich also direkt an den Autor weitergeben.

Ich hatte eigentlich nur ein Problem mit diesem Buch und das war der Start. Die ersten Seiten/Kapitel hatte ich Schwierigkeiten damit, der Geschichte folgen zu können. Das lag zum einen an dem Schreibstil des Autors, der sich im ersten Moment für mich etwas zäh angefühlt hat. Das Problem hat sich aber schnell aufgelöst und hinterher war ich das genaue Gegenteil, nämlich ziemlich begeistert vom Stil. Zum anderen viel es mir schwer dem Geschichts(zeit)strang zu folgen, weil die Personen, über die Thomas erzählt und die er begleitet, häufig wechseln. Hat man sich aber erst einmal eingelesen, weiß die Handlung zu fesseln.

Als Fan von Geschichten, die trauriges Geschehen aufgreifen und aufarbeiten, vermochte mich "Eisvogelsommer" in diesem Punkt sehr zu packen. Ohne groß überladen von Emotionen und auf die Tränendrüse zu drücken, ist dieses Buch eine gekonnte Erzählung aus dem Off, die schnörkellos mit Zeitsprüngen jongliert und dabei glaubhaft auf die einzelnen Figuren (Mutter, Freundin, Großvater) eingeht. Der Autor hat als Leitmotiv dieser Geschichte den Eisvogel auserwählt und webt diesen als "Frostbringer" passend mit ein. Mit ihm kommt die Kälte, die Trauer und der Tod. 

Fazit:
"Eisvogelsommer" hat mich anfänglich ein wenig ins Straucheln gebracht. Ich musste mich erst an den Stil des Autors gewöhnen und auch der häufige Wechsel von Zeit und Figuren machte es mir nicht gerade einfach der Handlung zu folgen. Nach einer kurzen Einlesephase konnte mich die Geschichte aber sehr packen und überzeugen. Empfehlung!

Anmerkung: "Eisvogelsommer" ist dieses Jahr für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Jugendbuch nominiert.

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